Phytoplankton halten den Klimawandel nicht aus

Plankton galt bislang als sehr anpassungsfähig. Der Klimawandel könne ihnen nicht viel anhaben. Eine neue Studie legt nun nahe: Scheinbar doch.

Sie driften durch alle Weltmeere, meist unbemerkt. Und doch ginge ohne sie gar nichts: Kiesel- und Grünalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien – das pflanzliche Plankton, mikroskopisch kleine Meereslebewesen. Sie bilden das Fundament der Nahrungskette im Meer. Ohne Phytoplankton gäbe es weder Hering noch Makrelen noch Blauwal.

Doch das eingespielte Gleichgewicht ist bedroht. Nach einer aktuellen Studie könnten die wärmer werdenden Meere den winzigen Meeresorganismen mehr anhaben, als bisher vermutet. Forscher hatten dem pflanzlichen Plankton eine hohe Anpassungsfähigkeit zugeschrieben. Sie gingen davon aus, dass es sich beispielsweise auf Temperaturänderungen in seiner Umgebung ganz gut einstellen kann.Doch nach einer Untersuchung von Mridul Thomas und seinen Kollegen von der Michigan State University macht den pflanzlichen Mikroorganismen der Klimawandel sehr zu schaffen. So befürchten die Zoologen, dass besonders das in den Tropen lebende Phytoplankton nicht beliebig anpassungsfähig ist. Ihre düstere Prognose: Bis zum Jahr 2100 könnte ein Drittel der tropischen Mikroorganismen verschwunden sein. Der Grund dafür: Das Phytoplankton kann sich zwar an wechselnde Temperaturen anpassen – aber in den Tropen lebt es bereits sehr nah an seiner Temperaturschmerzgrenze. Weitere zwei Grad könne es womöglich nicht mehr meistern, schreiben die Forscher im Fachmagazin Science.

Schlechte Aussichten: Die phytoplanktischen Lebewesen sind nicht nur Futter für kleine Fische und Krebse. Sie versorgen die Erde mit Sauerstoff – den setzen sie bei der Photosynthese frei und produzieren damit fast die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs. Gleichzeitig binden sie das Kohlendioxid aus der Atmosphäre und beugen so der Anreicherung des Treibhausgases vor.

Victor Smetacek vom Alfred-Wegner-Institut (AWI) für Polar-und Meeresforschung in Bremerhaven ist nicht ganz so pessimistisch. „Im Wasser wird die klimabedingte Temperaturerhöhung durch Verdunstung teilweise gedämpft“, sagt der Leiter der Planktonforschung am AWI. Er teile daher nicht die düsteren Prognosen seiner amerikanischen Kollegen.

Thomas und sein Team wollen jetzt weitere Untersuchungen durchführen, um gezielte Vorhersagen für das Überleben einzelner Arten zu machen. Davon erhoffen sich die Forscher nützliche Daten für den Schutz und Erhalt der tropischen Lebensgemeinschaften.

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